Elfriede Hartmann

Studentin der Chemie. Widerstandskämpferin. Hingerichtet.

* 1921    † 1943

 

Lebenslauf

Elfriede Hartmann wurde am 21. Mai 1921 in Wien geboren. Sie wuchs in Döbling als Tochter des Versicherungsbeamten Alexander Herbert Hartmann und der Handarbeitslehrerin Hermine Hartmann, geb. Schiefer, auf. Sie besuchte das Mädchenrealgymnasium Billrothstraße, und maturierte im Jahre 1939.

Verwehrtes Studium

Sie inskribierte Anfang 1940 Chemie an der Universität Wien. Ihr blieb es als “Mischling ersten Grades” jedoch schon bald verwehrt, ihr Studium fortzusetzen. Somit war sie dazu gezwungen, Geld mit Nachhilfestunden zu verdienen.

KJVÖ und "Die rote Jugend"

Ihr Lebensgefährte, der Schlosser Rudolf Masl, brachte sie in Kontakt zum kommunistischen Jugendverband. Ihre Hauptaufgaben waren die Leitung des Gebietes III (die Bezirke 5, 6, 7, 12 und 13) und Kontaktpflege zu KJVÖ-Gruppen außerhalb von Wien. Sie beschloß 1941, diese Funktionen aufzugeben und sich hauptsächlich der Herausgabe der Zeitung “Die rote Jugend” zu widmen. Die diesbezüglichen Artikel schrieb sie weitgehend selbst.

"Soldatenrat"

Elfriede Hartmann war auch Mitglied der Widerstandsgruppe “Soldatenrat”. Sie übte hierbei eine besondere Stellung aus. Sie koordinierte die geheime Verbreitung von Flugblättern, die Wehrmachtsangehörige aufforderte, zu desertieren. Dem “Soldatenrat” gehörten auch Anna Gräf, Leopoldine Kovarik und Alfred Rabofsky an, die wie Elfriede Hartmann hingerichtet wurden.

Hinrichtungen von Elfriede Hartmann und Rudolf Masl

Am 2. November 1943 wurde Elfriede Hartmann hingerichtet, bereits am 27. August 1943 war das Todesurteil an Rudolf Masl vollstreckt worden.

Aus dem Urteil

“1941 nahm sie erneut den Gedanken einer kommunistischen Zersetzung in der Wehrmacht zu betreiben, wieder auf. Sie kam mit den Funktionären Neubauer, Reingruber und Kiss zu einer Besprechung zusammen, bei der beschlossen wurde, dass jeder von ihnen einen Entwurf für einen Brief an die Wehrmachtsangehörigen verfassen und dass der beste Entwurf vervielfältigt werden sollte. (…) Sie veranlasste auch die Sammlung von Feldpostanschriften einzelner Soldaten, an die der Brief versandt werden sollte. Von dem Brief wurden 2000 Stück in der Literaturstelle (Robert) Uhlir hergestellt. Da die Beteiligten aber nunmehr erfuhren, dass eine Feldpostsperre bestehe, nahmen sie von der Weiterverbreitung Abstand (…) Im Oktober 1941 wurde erneut die Verbreitung eines Zersetzungsbriefes, vor allem unter Angehörigen der Wehrmacht beschlossen. (…) Die Angeklagten, die mit ganzer Kraft das deutsche Volk schädigen wollen, müssen aus der Volksgemeinschaft ausgestossen werden.”

Kassiber

Elfriede Hartmann schmuggelte aus der Gestapo-Haft viele geheime Botschaften, Kassiber genannt.

So etwa eines an ihre Eltern, aus dem Folgendes hervorgeht:

... Bitte esst ein anständiges und ausgiebiges Frühstück, müsst Euch halt dazu zwingen. Nicht, dass, wenn ich aus dem Verhandlungssaal komme und Euch "Tod" sagen muss, Ihr mir zusammenbrecht. Nehmt Euer Herz fest in beide Hände und seid stark. Ich weiss, wofür; ich habe gekämpft in dem Bewusstsein, dass, wenn ich auffliege, es keine Rettung für mich gibt.
Ich war immer darauf gefasst. Für mich ist das Urteil nicht schwer. Also, meine Lieben, Mut, Mut - noch lebe ich ...

Literatur

Die gesammelten Kassiber von Elfriede Hartmann aus der Gestapo-Haft sind, herausgegeben von Johanna Martins und Winfried Garscha, im Mandelbaum Verlag veröffentlicht worden.

Im Mono Verlag ist unter dem Titel “Eine von Vielen” ein Hörbuch erschienen, das Kassiber von Elfriede Hartmann sowie Tagebuchauszüge von Margarete Schütte-Lihotzky in Form einer inszenierten Lesung darstellt.

Gedenkort

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts findet sich ihr Name auf einer der Gedenktafeln.

Die Gedenkstätte auf der Gruppe 40, Zentralfriedhof

Weblinks


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